So vielfältig wie das Leben

Der Obstbau in Tiefengruben

 

 Streuobstwiesen in Tiefengruben

Tiefengrubens Streuobstwiesen sind ein kulturhistorischer und ökologischer Schatz. Erstmals ökologisch zertifiziert wurde ein Teil der Streuobstwiesen und Obstgärten im Jahr 2005. Seit dem 1. Oktober 2012  ist der gesamte Obstbaumbestand rund um das denkmalgeschützte Rundplatzdorf (insgesamt 19 ha Streuobstwiesen und Obstgärten) ökologisch zertifiziert. Die Zertifizierung wird jährlich neu beantragt.

 

Mit seiner beispielhaft erhaltenen Anlage als Rundplatzdorf steht Tiefengruben bereits seit 1976 unter Flächen-Denkmalschutz. Der größte Teil dieses Rundplatzdorfes setzt sich aus tortenstückähnlichen Grundstücken zusammen. Die Höfe gruppieren sich radial um den Dorfinnenraum. Bauerngärten mit reichem Obstbestand umgeben den historischen Ortskern. Um diese Gärten schließt sich ein Gürtel aus Streuobstwiesen.

Schon seit Jahrhunderten ist Tiefengruben für sein gutes Obst bekannt. Aus einer Verfügung des  Jahres 1705 geht hervor, dass jeder neue Nachbar im Ort „zum Nutzen und Frommen der Allgemeinheit“ zwölf Obstbäume zu pflanzen hatte. Schon damals waren diese Wiesen wichtige Lieferanten für Obst, Saft, Honig und Futter. Unter den in Tiefengruben bestimmten Sorten befinden sich elf, die bereits 1876 im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach für den Anbau empfohlen wurden, darunter die Apfelsorten „Danziger Kant“ und  „Königlicher Kurzstiel“.

Zu Beginn der 1990er Jahre waren die Streuobstwiesen in einem eher jammervollen Zustand. In der DDR-Zeit wurden sie hauptsächlich als Weideland genutzt. Der Obstbaumbestand sah sehr schlecht aus, war durch die Tiere stark verbissen, ungepflegt und überaltert. Viel Arbeit also für den 1992 neu gegründeten Obstbauverein Tiefengruben e.V., der sich die Erhaltung, Pflege und Erweiterung der Streuobstwiesen auf die Fahnen geschrieben hat. Wissenschaftlich und fachlich unterstützt wird der Tiefengrubener Obstbauverein seit 25 Jahren von dem renommierten Pomologen (Obstkundlichen) Dr. Werner Schuricht aus Jena und Monika Möhler von der Lehr- und Versuchsanstalt Erfurt.

Heute verfügt Tiefengruben über: 11,5 ha Streuobstwiesen mit 748 Bäumen, 7,5 ha Obstgärten mit 488 Bäumen, insgesamt also 19 ha mit  1236 Obstbäumen. Prozentual gliedern sich die Obstarten in 71 % Kernobst (Äpfel, Birnen), 26 % Steinobst (Pflaumen, Kirsche usw.), 2 % Walnuss, 1 % Quitten. 31 % des Baumbestandes befindet sich im Jugendstadium, 35 % im Ertragsstadium und 34 % im Altersstadium.

Die Palette der Erzeugnisse aus dem Öko-Obst ist vielfältig. Sie reicht von frischem Tafelobst (saftige Äpfel, Birnen, Zwetschgen oder Quitten) bis hin zu raffiniert zubereiteten Marmeladen und Konfitüren. Spezielle Erzeugnisse aus Tiefengrubener ÖKO-Äpfeln sind der Thüringer – ÖKO – Apfelsaft, naturtrüb bzw. klar und der Thüringer ÖKO-Apfel-Cidre. Des weiteren werden Säfte, Obstweine, Obstbrände, Liköre hergestellt.

Die Bergung der Früchte ist zeitaufwendig und angesichts der Höhe vieler alter Bäume nicht ungefährlich. Ein Teil des Obstes gelangt zum frischen Verzehr sofort an die Käufer. Eine gute Adresse ist dazu seit 1992 alljährlich am dritten Sonnabend im Oktober stattfindende Obstmarkt in Tiefengruben. Was nicht als Tafelobst geeignet ist, wird auf kürzestem Weg weiter verwertet. Die in Tiefengruben ansässige Annahmestelle zur Lohnmostverarbeitung nimmt in guten Jahren mehr als 400 Tonnen Obst an. Mehrmals täglich werden die gefüllten Container direkt  in eine regionale Mosterei gefahren. Je nach Presstechnik beträgt die Saftausbeute bei 100 kg Äpfeln zwischen 60 und 70%.

 

> Weitere Informationen unter: www.mosterei-badberka.de

Entwicklung des Obstbaus in Tiefengruben

> 1718 Verfügung in Tiefengruben: jeder neue Nachbar im Ort muss „zu Nutz und Frommen der Allgemeinheit 12 Obstbäume pflanzen“
> 1828 Tod des Großherzogs Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach, Regierungsantritt Carl Friedrichs, Stiftung des Vereins Blumistik und Gartenbau
> 1833 Anlegung der neuen Landesbaumschule auf Marienhöhe
> 1992 Gründung des Obstbauvereins Tiefengruben e.V.; Hauptziel: Schutz, Erhalt und Pflege der kulturell und ökologisch außerordentlich wertvollen Streuobstwiesen; 1. Obstmarkt in Tiefengruben
> Oktober 2005 Bio-Siegel für sieben der 11ha Streuobstwiesen rund um das Dorf, Voraussetzung war Erfüllung der Forderungen des Vertragsnaturschutzes und der EU-Öko-Verordnung
> 2012 gesamter Obstbaumbestand in Tiefengruben (Streuobstwiesen (11ha) und Obstgärten (8ha) sind nach EU-Verordnung ökologisch zertifiziert.
Die Eigentümer produzieren auf 19 ha Bio-Obst